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Judith Arlt |
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Herzlich willkommen!
Aktueller Blog: Blog Krakau Blog Beim Erzengel
Email: ja@juditharlt.de Last updated: 01/2008 |
NEUE TEXTE Fraudeckung Ihr Blick trifft mich kalt. Sie steht mir
auf dem Platz gegenüber. Ich verstehe. Wir kennen uns von früher. Sie hat es
auf mich abgesehen. Nur auf mich. Das war schon immer so. Nicht erst heute.
Nicht erst hier. Nur trennten sich unsere Wege vor vielen Jahren radial. So
dass wir uns nach den Gesetzen der Geometrie nie wieder hätten begegnen sollen.
Aber der elektronische Routenplaner schickte mich heute früh am Schottentor in die
Tram 44. Ich wollte mir auf dem Gersthofer Friedhof ein bisschen die Beine
vertreten. Zeit scheint hier ausreichend vorhanden zu sein. Tote interessieren
mich mehr als Lebendige. Das Suchsystem nimmt keine persönlichen Wünsche an. Ich
liebe unaussprechliche Namen und wählte die Czartoryskigasse. Ihre Eingabe ist
ungenau, sagte der Touchscreen, bitte wählen Sie aus der Liste. Dann erlosch er
und reagierte auf keine weitere Berührung. Netzausfall. Es gibt zu viele Ortsunkundige.
Mit der Schnellbahn hätte ich mein Ziel nicht verfehlt. Ich wagte aber nicht, dem
Routensucher zu widersprechen. Ich fand einen barrierefreien Zugang zur Tram 44
und fuhr bis zur Endstation. Vielleicht hatte ich mich vertippt, oder mein Straßenverzeichnis
ist veraltet. Straßennamen sind zeitlich befristet. Ganze Städte, Länder oder
Kontinente verlieren irgendwann ihr Gesicht. Schuld daran sind Blitzeinschläge,
Vulkanausbrüche oder andere Kriege. „Der kürzeste Fußweg führt quer über den
Sportplatz“, erklärte mir der Tramführer. Er hatte Pause und rauchte im Stehen.
Ich musste den Sportplatz mehrmals umrunden, bevor ich auf das offene Tor stieß.
Es war der Spielereingang. Oben an der Treppe stand unser Coach und schickte
mich in die Umkleidekabine. Er schien erleichtert, sagte aber kein Wort. Mit
der 10 auf dem Rücken bin ich jetzt auf dem Platz. Ihr gegenüber. Erinnerungen sind
nur Spaßvögel. Sie schlagen Purzelbäume, tollen herum, ufern aus, verbreiten
sich über ganze Küstenstreifen und sind schon nach der nächsten Flut spurlos
verschwunden. Sie kommen und gehen, wann immer es ihnen passt. Das Vergessen hingegen
steckt im Singular. In der Gegenwart, im Stau einer Ausfallstrasse am Abend. Es
ist schmerzfrei wie ein Blitzschlag. Über all die Jahre, es mögen an die
dreißig sein oder mehr, verhielten sich meine inneren und äußeren Organe untadelig.
Weder vermisste ich sie, die nun vor mir steht, noch verschwendete ich einen unnützen
Gedanken an sie. Alles schien perfekt. Eine saubere Lösung. Nach Ostern war sie
weg. Angeblich nach St. Pölten verzogen. Aber ich war schon Anfang Oktober nicht
aus Debrecen zurückgekehrt. Und heute, es ist Donnerstag, der 18. Mai, kurz
nach 18 Uhr, die erste Halbzeit ist kaum angepfiffen, der Mond steht noch nicht
am Himmel, bin ich, gehetzt von ihr, bereits außer Atem. Nie hätte ich mir
träumen lassen, dass ein Spielfeld in Wirklichkeit so endlos ist. Keuchend
hoffe ich, dass sie schon Großmutter ist oder Mein Leid am Mittwoch gelesen hat. Gedankensprünge bringen auf dem
Rasen keine taktischen Vorteile. Ich kenne weder die Rede noch die Regel. Ich
merke nur, dass sie wendiger ist als ich. Routinierter. Besser trainiert. Ausgeglichener
Eiweißstoffwechsel. Freigelegte Hüftknochen. Jede Zuckung der Gesichtsmuskulatur
einstudiert. Nichts lässt sie an sich heran kommen. Nichts gibt sie preis. Sie
hat sich unter Kontrolle. Und sie hat auch mich unter Kontrolle. Sie kreist
mich ein. Ihre Lippen kräuseln sich zu einem kaum merklichen Lächeln. Ich
erschrecke. Sie kann meine Gedanken lesen! „Labdarúgó-mérközés!“ schreit mir Imme aufgebracht
zu. Imme ist meine Verstärkung und sitzt auf der Ehrentribüne. Ich bin
kurzsichtig, mein Gehör ist geschärft wie bei allen Sehbehinderten. Immes
Stimme schneidet wie ein Seziermesser. Frisch ausgelegter Rollrasen. Füße. Ball.
Ihren Anweisungen folge ich auf jede erdenkliche Entfernung. Ohne Widerspruch. Sie
liebt Einwortsätze. Und die flössen mir Vertrauen ein. In jeder Sprache. In
jedem Land. In jeder Lage. Imme kommt aus Sizilien. Dort kennt niemand überflüssige
Wörter. Fußballspiel. Keine Lippenbekenntnisse. Links außen. Freistoß.
Verwandlung. Eckball. Ich verstehe. Ich spiele für Ungarn. „Ablak - Zsiráf!“ dröhnt Immes Stimme in
meinem Ohr. Imme sieht, dass ich nicht bei der Sache bin. Ich stocke. Hebe den
Kopf. Sie vor mir. Mit mir. Synchron wie ein Spiegelbild. Vergeblich suche ich
einen Ausweg. Der Mittelstürmer der Gastgeber humpelt gerade vom Platz. Das
Wort „Oberschenkelzerrung“ kommt aus vielen Lautsprechern. Das Radio ist auch
hier. Mit dem Stürmer verlassen ganze Scharen altertümlich gekleideter Figuren die
Zuschauertribüne. Ich kann gerade noch Judith Katz und Leo Singer zuwinken. Das
Spielfeld scheint plötzlich leerer und noch größer geworden zu sein. Die Uhr über
der Ehrentribüne zeigt unentwegt die elfte Spielminute an. Ich habe an
Bodenhaftung gewonnen. Sie belauert mich nach wie vor. Ich versuche, die Einsichten
für mich zu behalten. Wenn Schriftsteller Fußball spielen, sitzen ihre Kinder
auf der Tribüne und feuern sie an. Alle Haupt- und Nebenfiguren, die all- und
unwissenden Erzähler, alle poetischen, verträumten oder eingebildeten Schwätzer,
ganze Heerscharen von Statisten, Handwerkern und Bühnenbildner. Immes Verweis
auf Péters Revolutionsalphabet. Ein Pfeilwort. Im Lexikon des zwanzigsten
Jahrhundert. Von A wie „ablak“ bis Z wie „zsiráf“. Weder Zoogiraffe noch Ausguckloch.
Eingewechselt wird endlich der Dialektübersetzer und die Uhr fängt wieder an zu
laufen. Wie wir, die Spieler. Wie der Ball. Wie die Radio- und
Fernsehaufzeichnung. Auf der Tribüne hat Mani Matter Platz genommen. Er wirkt etwas
durchsichtig. Ich kriege keinen Ballkontakt. Sie deckt mich. Ihre Laufbereitschaft
ist extrem hoch. Aber es mangelt ihr an Intelligenz, ein Aufbauspiel
einzuleiten. Sie hat es nur auf mich abgesehen. Wo ist ihr Gefolge? Wo sind ihre
Leitsätze, ihre selbständigen Veröffentlichungen? Überall gibt es Vergabekriterien,
Formblätter und Altersbeschränkungen. Sie attackiert mich mit einem
vollständigen Satz: „Dies ist der älteste noch bespielte Fußballplatz
Österreichs.“ Er verfehlt seine Wirkung nicht. Historische Recherche. Fehlerfreies
Deutsch. Imme stärkt mir den Rücken: „Hól van a labda?“ Ein gut lancierter
Angriff vom Tränengaukler. Druckvoll weitergeführt über das Seitencouloir. Die
Kamera vollführt eine wunderbare Busfahrt. Das Bekenntnis eines Lemuren bietet
einen brauchbaren Ball. Ich umkurve meine Deckung. Sie zieht ihr Notizbuch
hervor. Sie kann sich ein Leben ohne das aufgeschriebene Wort nicht vorstellen.
Die Gier treibt sie, mich der Verstand. „Du hast hier nichts zu suchen“, rufe
ich ihr zu und schiebe ein. Der Torwart sieht im Gegensatz zu ihr friedliebend
aus. Seine Katze Pauline verzieht sich bekümmert in die andere Ecke. „Dies ist
ein Freundschaftsspiel!“ Die Ehrentribüne tobt. Ein harmloser Distanzschuss.
Der Vater von Tscho liegt im Dreck, er tut mir leid. Abspiel. “A labda kint van.”
Immes Stimme kann auch beruhigen. Kurze Verschnaufpause. Dies ist mein erstes
Fußballspiel. Sie steckt den Stift in die Oberarmtasche zurück. Küchentische
verwandeln sich mitunter in Kriegsschauplätze. Mein Winter war Dauerfrostreich.
Dies ist eine alte Rechnung. Der Linienrichter Márton friert, wenn er uns
sieht. Sie bedrängt mich. Ich nenne sie dennoch nicht beim Namen. Damals hatte
sie beharrlich behauptet, auch unsere Beine würden schwitzen. Nicht nur die
Füße, Hände, Achseln oder Brüste. Erst heute verstehe ich diesen Imperativ. Ich
bin mehrmals die Donau auf- und abgefahren. Ich habe Radfahrerwaden. Niemand
ist gefeit gegen die Auswüchse seiner eigenen Phantasie. Auch Picasso sah hin
und wieder rot. Meine Kollegen liefern sich eine Kopfball-Stafette. Das Spiel
steht bereits 0:5. Die Zeit läuft für uns. Ob ich mitlaufe oder nicht. Ich
musste nur den Anstoß geben. Die Linksaußenverteidigerin wird nervös. Immes
Stimme gibt keine Ruhe: „Röviditesszotar!“ Standortbestimmungen sind heutzutage
meist überflüssig. Jedes Land hat seinen eigenen Andy Warhol. Ich selbst habe
keine Nationalität. Abkürzungen sind Chiffren wie Buchtitel oder Dialogfetzen.
Auch Kitsch kann unwiderstehlich schön sein. Abpfiff. * * * Du suchst das Duell. Sie steht dir auf dem
Platz gegenüber. Du wartest. Seit fast dreißig Jahren. Nur auf diese
Gelegenheit. Du hast dich ordnungsgemäß beworben. Es war nicht einfach. Für
diese Linksaußenposition. Für die Abwehrarbeit. Nicht nur erfülltest du keine
der Voraussetzungen. Du bist auch kein Verbandsmitglied. Aber du machtest erschwerte
Umstände geltend. Kindheit im Exil. Internat am Genfersee. Frühe Mutterschaft.
Quotenfrau. Von der Kosmetikberaterin über die Werbetexterin zur Vertriebsleiterin
eines international renommierten Journals. Jetzt befindest du dich auf dem
zweiten Bildungsweg und bist zum dritten Mal in Folge mit einem Österreicher verheiratet.
Der Schriftsetzer ließ sich davon nicht beeindrucken. Keine bibliographischen
Daten. Es gibt zu viele Zuschussverlage. Mit einer Reiseschreibmaschine hättest
Du nachts feminine Eifersuchtsprosa produziert. Du wagtest aber nicht, den natürlichen
Lichtspielen zu widersprechen. Nach der Kaffeepause suchtest du telefonisch
Kontakt zur Sekretärin. Vielleicht hattest du dich im Datum geirrt, oder der Ansprechpartner
war in Wirklichkeit auf Vortragsreise und ließ sich durch einen Praktikanten
vertreten. Laufbahnen sind zeitlich befristet. Ganze Gesetzestafeln, Alphabete
und Sprachen verlieren irgendwann ihre Konturen. Schuld daran sind Erdrutsche,
Kalkablagerungen oder andere Feinstaubemissionen. „Alle Angaben ohne Gewähr“,
erklärte die Sekretärin, schluckte leer und schickte dir die Spielerliste als pdf.Datei
im Anhang mit. Das Programm zum Öffnen der Datei kann kostenfrei aus dem
Internet heruntergeladen werden. Es wird empfohlen, die Einstellungen am
Heimcomputer so vorzunehmen, dass verborgene Textteile auf dem Bildschirm
farblich hervorgehoben erscheinen. Hinter der Nummer 10 fandest du ihren Namen
rot markiert. Jetzt gab es für dich kein Abrücken mehr. Von ihr. Das Spiel ist vielseitiger als das Training. Du empfindest sie tatsächlich als
Berührungsreliquie, willst an ihren Sprachschöpfungen teilhaben, preist die
Gunst der Reproduzierbarkeit des Wortes. Wolkenbrüche kommen und gehen, wann immer es ihnen
passt. Unwetter hingegen dräuen am Horizont oder über dem Suppentopf. Gewisse
Dinge lassen sich bei Mahlzeiten nicht verhindern. Nach dem Stuhlgang ist meist
alles vorbei. Du hast schließlich drei Bestseller in Strasshof herausgebracht. Unterhaltungssonnenbänke
für Frauen wie dich. Dem Wort ist das Wetter wehrlos ausgeliefert. Nicht einmal
die Phytotherapie half weiter. Weder konntest du sie, die nun vor dir steht, vergessen
noch in einem Handstreich enthaupten. Alles schien umsonst. Du kennst Ernst,
dein Leben, bereits seit April. Trotzdem behauptest du, nie Träume oder Illusionen
gehabt zu haben. Schon die Mädchen in deinen Schulaufsätzen schlüpften aus den Schuhen,
bevor ihre Blusen knisternd zu Boden glitten. Und heute, es ist Donnerstag, der
18. Mai, genau 19 Uhr, die zweite Halbzeit ist soeben angepfiffen worden, die
Sonne steht noch immer am Himmel, läufst du ihr konsequent in die Beine und in
die Arme. Nie hättest du dir vorstellen können, dass ihr früh ergrautes Haar
dich so unendlich betört. Du hast dich gut vorbereitet und alles von ihr
gelesen. Sie schreibt wie die Ahnen ohne Seufzer. Um ihre Texte zu verstehen,
schlägst du Sachwörterbücher auf. Mit dem Fingernagel gräbst du Wortsinngrenzen
ab. Scheibenwischer. Verwerfungsfläche. Augenwasserweiden. Symmetrische
Kristallisationsschweife. Substantive schließen selbsttätig. Wie die Türen eines
Hochgeschwindigkeitszuges. Zeigen Zerrungsrichtung und Scherungsdeformationen
auf. Du kennst drei Kategorien der Wortbildung: Nomen actionis, Nomen acti und Nomen
agentis. Du erschrickst. Sie meidet Abstrakta. Und verwendet nie Nomina propria! „Orang-Utan!“ zetert deine innere Stimme.
Sie sagt immer die Wahrheit und klopft an das Brustbein wie ein Specht. Du
liebst den Wald, das perlende Glück im Schlafzimmer nach dem Pilzesammeln. Nach
Ostern beginnen die Skiferien. Frisch präparierte Pisten. Fönfrisur.
Sonnenbrille. So sieht jede Frau sturzgefährdet aus. Ihre Handrücken Altersfleckenfrei.
Der Tanz am Abend. Der Kampf am Berg. In jedem Winter. Auf jeder Höhe. In jeder
Gesellschaft. Deine innere Stimme stammt aus Prag und spricht kein Tschechisch.
Vokativverleugnerin. Offensivverteidigerin. Rechts außen. Foulfreistoß. Spitzer
Winkel. Flanke zur Mitte. Der Platz muss brennen. Sie ist stilsicherer geworden. „Der Pfeil schnellt nicht von der Sehne!“ stichelt
der Specht. Unbedingter Wille klingt anders. Du beißt dir auf die Lippen. Deine
Kopfballstärke. Sie vor dir. Mit dir. Synchron wie ein Spiegelbild. Du blockst
die Schüsse ab. Der Dauerverletzte hat sich bereits umgezogen und sitzt auf der
Ersatzbank. Unter den Sportartikelherstellern tobt der Ausrüsterstreit. Die
Stammspieler sind Leistungsträger. Sie ziehen an, was der Hauptsponsor einkauft.
Geldquellen können sich als Retter oder Heuschrecken erweisen. Semantische
Verfehlungen auf dem Rasen werden verschmerzt. Du ziehst ein gnadenloses Pressing
auf. Dribbling auf dem linken Flügel. Seitenlinienläufe sichern die
Vorwärtsbewegung. Schwerer als das statistische Orakel wiegen die Abseitsfallen
und die Fehlpassquoten. Alle Fußballsachverständigen wissen, dass es ist wie im
richtigen Leben: wenn du Sicherheit hast, traust du dir etwas zu. Deinem
Verlangen nach einem Genferseetreffen war allein sie nicht nachgekommen. Ein
Giftpfeil. Nach einem Vierteljahrhundert. Von A wie „Affentranger“ bis Z wie
„Zipperer“. Versammelten sich alle ehemaligen Internatsschülerinnen bei
Sonnenuntergang. Nur sie blieb ihrem Rinderhirten in der Puszta Hortobágy treu
und schickte die Absage per Laufburschen. Dein Specht raste. Das Brustbein splitterte.
Dein Lächeln aber blieb filmreif. Die Fotos der Feier sehen zeitlos aus. Auf
die Erinnerungen fiel kein Schatten. Du schießt einen Bock nach dem anderen. Ihr
Torinstinkt ist ausgeprägt. Beidfüssig bringt sie eine technisch hervorragende
Leistung. Du suchst das Geschäft mit Sentimentalitäten. Du hast es nur auf sie
abgesehen. Deine Ausflüchte mit Sehnenscheidenentzündungen. Du zeigst weder Teamgeist
noch Flexibilität noch Ballbeherrschung. Überall ist Schnelligkeit gefragt, ein
guter erster Pass. Sie zitiert aus der Sportberichterstattung: „Das Wesen der
heimlichen Spielmacher.“ Der Hohn verfehlt seine Wirkung nicht. Wie damals am
Genfersee. Wo du die Deutsche warst. Deine innere Stimme mahnt: „Maßflanke!“
Völlig freistehend hämmert sie den Ball unter die Latte. Du würgst den Specht
ab: „Das Glück erkämpft man sich!“ Ein gut lancierter Angriff vom Wachauwettermacher.
Druckvoll weitergeführt vom Nilfahrer. Deine Aufzeichnungen vollführen einen
wunderbaren Seitenwechsel. Der Kontext bietet keinen brauchbaren Halt mehr. Deine
Fassung marschiert vom Feld. Du raufst dir die Haare. Du hast es immer schon
gehasst, blond zu sein. Die Wut treibt dich, sie das Kalkül. „Ich bin Mutter
eines toten Kindes“, schreist du und verwertest aus gut sechs Metern. Der Torwart
schwitzt. Pauline verschwindet kreischend. Sie kontert: „Für diese
Verwandtschaftsbeziehung kennt keine Sprache der Welt ein Wort!“ Die
Ehrentribüne tobt. Ein verdientes Eigentor. Gute Außenverteidiger sind auf dem
Transfermarkt enorm gefragt. Abspiel. In die Mitte. Hochgradig ineffizient.
Kurze Kranzniederlegung. Die erste Aussprache. Du drehst die Zeit zurück.
Verdrehst Sachverhalte, argumentierst rabulistisch. Sie beherrscht die Technik
der boshaften Rhetorik. Dies sind alte Geschichten. Sie mag sie nicht aufwärmen:
„Ich bin ein Mensch, der nach vorne schaut.“ Du bedrängst sie: „Ich bin direkt
nach der Zeugnisverteilung weggezogen“. Sie weicht beharrlich aus. Morgen würde
sie mit allem, was sie besitzt in die ungarische Tiefebene zurückkehren, an den
Rand des Beschreibbaren. Nicht nur das graue Haar, auch die bärtigen Beine und
die hängenden Brüste. Du verstehst nicht, dass eine Frau sich so gehen lassen
kann. Der Text kennt nur eine Richtung. Egal, wie viele Wörter, Sätze, Zitate
und Abkürzungen sich in ihm versammeln. Keine Erzählerin ist gefeit gegen die
Anfeindungen ihrer Figuren. Der letzte Punkt trifft immer ins Schwarze.
Stehgeigen haben einen beschränkten Aktionsradius. Das Spiel steht bereits 2:8.
Der Rahmen ist gesprengt. Der Leim vertrocknet. Du gehörst zu den
Verliererinnen. Die Stürmerin gehorcht bis zum letzten Moment. Sie jagt einer
Idee nach. „Literatenländerspiel“. Standortbestimmungen sind notwendig. Jedes
Land hat seinen Bananenflankenkönig. Du selbst hast keine Vision. Modulhäuser sind
die Alternative zu individuellen Wohnträumen. Auch Klonen und Kopieren kann
unwiderstehlich schön sein. Abpfiff. © Judith Arlt 2007 publiziert in: TOP 22, Teil III. the only way is up … Herausgegeben von Wolfgang Kühn. Wien, Edition Aramo 2007, S. 168-180
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